Wie lange können wir fair sein, ehe uns die Gier im Griff hat?
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Wie lange können wir fair sein, ehe uns die Gier im Griff hat?


Haben Sie kürzlich erleben dürfen, dass jemand Ihnen gegenüber ausgesprochen freigebig war? Meinten Sie danach, Sie selbst könnten auch ein wenig großzügiger sein? Gut so, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass das Pendel bald wieder zur anderen Seite ausschlägt.

Gieriger Mann beim Essen

Haben Sie kürzlich erleben dürfen, dass jemand Ihnen gegenüber ausgesprochen freigebig war? Meinten Sie danach, Sie selbst könnten auch ein wenig großzügiger sein? Gut so, denn es ist sehr wahrscheinlich, dass das Pendel bald wieder zur anderen Seite ausschlägt. Eine Studie hat nämlich bestätigt: Der Nachahmungseffekt des Menschen ist bei Gier größer als bei Fairness - das heißt, wer sich unfair behandelt fühlt, zahlt auf die gleiche Art zurück.

Wie steht es dann also um die Theorie, nach der das Prinzip „Pay It Forward“ funktionieren soll? In kleinen Gruppen oder im Familienkreis greift dieses positive Verhalten, haben Forscher der Harvard University herausgefunden. Ansonsten lässt sich feststellen, dass Gier weitaus mehr zu Buche schlägt als Großzügigkeit und entsprechend stärker weitergereicht wird.

Denn wer gerade das Opfer eines gierigen Unbekannten geworden ist, verhält sich anschließend leicht unfair und gierig einem anderen Mitmenschen gegenüber. Aber auch das Gegenteil bestätigt sich: Ein Zeitgenosse, der generös bedacht wurde, zeigt sich nach dieser Erfahrung meistens ein wenig freigiebiger. Und: Wer wenigstens fair behandelt wurde, agiert danach durchweg gerechter.

Die Probanden dieser Studien waren keine Studenten, sondern die Teilnehmer an dem Versuch wurden an Bahnhöfen oder an anderen belebten Orten verschiedener Städte an der US-Ostküste gefunden. Ein anderer Teil der Versuche wurde online durchgeführt. Insgesamt beteiligten sich 60 bis 165 Menschen an den fünf unterschiedlichen Experimenten.

Eines davon war das sogenannte Diktator-Spiel: Dafür bekam jeder einen Betrag von sechs Dollar, den er zwischen sich und einem Unbekannten aufteilen konnte, falls er wollte. Einige Versuchsteilnehmer erhielten zuvor einen weiteren Umschlag mit null, drei oder sechs Dollar. Dabei stellte sich heraus, dass diejenigen, die am meisten bekommen hatten, am meisten weitergaben.

Ähnliche Ergebnisse zeigten sich, wenn es um Arbeit ging und nicht um Geld. Angenehme und nervige Aufgaben sollten von gebuchten Arbeitern erledigt werden. Schöne Arbeit: lustige Inhalte bewerten, schlechte Arbeiten: markieren von Vokalen in einem fremdsprachlichen Text. Die Hälfte der Arbeit durfte auf einen unbekannten Teilnehmer übertragen werden. Hier entschieden sich die Teilnehmer ebenfalls mehr auf der Basis von Gier als von Großzügigkeit.

Habgier gehört bekanntlich zu den „Todsünden“ und scheint tief im Menschen verankert zu sein. Das Heimzahlen ist ein fundamentales Bedürfnis mancher Mitmenschen, die glauben, wer zu ihnen unfair sei, verdiene es auch, unfair behandelt zu werden. Dabei macht nicht jeder den feinen Unterschied, ausschließlich den Täter zu bestrafen – manchmal kriegt es einfach der Falsche ab. Anders ist es mit der Freigebigkeit: Die trifft immer den Richtigen, oder? Denn wir glauben, Großzügigkeit führt dazu, andere gut zu behandeln. Aber das ist nicht zwangsläufig der Fall. Der Leiter der Studie rät: „Um eine Kette des guten Verhaltens zu starten, sollten Leute weniger auf einzelne, zufällige Akte der Großzügigkeit setzen.“

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